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Dear Esther – Eine eindrucksvolle Reise

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Dear Esther, ein Spiel ohne jegliche Spielelemente und jenseits aller Konventionen. Man ist sich nicht mal sicher, ob Dear Esther wirklich ein Spiel ist. Der Autor bezeichnet es als eine Geistergeschichte, doch einen echten Geist kann man hier nirgends ausmachen. Das Spiel an sich existiert bereits seit 2008 als eine Modifikation für Half-Life 2. Die Mod wurde jedoch erst jetzt in einer stark verschönerten Version als eigenständiges Spiel veröffentlicht.

Dear Esther ist ein Kunstwerk, reine Poesie und es wirkt, als wäre man in einem Traum. Während des gesamten Spieles tut man einfach nichts. Man wandert über eine namenlose, schottische Insel, beobachtet, lauscht und staunt. Doch es kommt nie zu einer Interaktion. So gibt es weder Dialoge, noch Figuren, kein Inventar und auch keine Gegenstände zum Mitnehmen. Es fehlen auch Rätsel oder Gegner, gegen die man kämpfen könnte. Auch kann man nicht rennen oder springen. Lediglich die Funktion Zoomen bleibt dem Spieler erhalten. Auf diese Weise wird man regelrecht dazu gezwungen, durch diese fantastische Welt zu spazieren und auf Details zu achten. Man folgt also einem linearen Pfad, welcher immer wieder von einer merkwürdigen Stimme kommentiert wird, ohne zu wissen, was hier eigentlich genau vor sich geht. Obwohl es sich um Schlauchlevel handelt, wirkt das Spiel erstaunlich offen und man hat nie das Gefühl, eingeengt oder unfrei zu sein. Über die gesamte Zeit des Spieles hat man das Gefühl Teil einer experimentellen Geschichte zu sein. Eine angenehm rätselhafte Stimmung entsteht und man möchte die Mysterien der Welt erkunden. Verlassene Hütten, seltsame blau leuchtende Formeln und Symbole an den Wänden und Steinen begleiten einen auf dem Weg durch diese Traumwelt. Es entstehen Ahnungen und dennoch: Ganz durchschaut hat man das Spiel und dessen Geheimnisse bis zum Schluss nicht.

Dear Esther – Impressionen

Ein Problem stellt Dear Esther in sprachlicher Hinsicht dar, sofern man kein perfektes Englisch spricht. Das Verständnis geht verloren, wenn man kein Wörterbuch zur Hand hat oder die inoffiziellen deutschen Untertitel nutzt.

Nach etwa zwei Stunden ist die Reise auch schon vorbei – naja, zumindest fast. Nach diesen zwei Stunden hat man noch längst nicht alles erlebt und gehört, was Dear Esther zu bieten hat. Nach jedem Neubeginn ändern sich Facetten des Spiels: Erzählpassagen ändern sich, das Wetter oder auch andere Details sind nicht mehr wie zuvor. Doch das alles gehört zu einer zusammenhängenden Geschichte. Es sind quasi Puzzleteile, die zusammen ein Bild ergeben und nur einzeln betrachtet wirr und wahllos erscheinen. Es lohnt sich also mehr als nur einmal in dieser Geschichte zu spazieren. Es lohnt sich auch wegen seiner realistisch gestalteten Grafik einen Blick darauf zu werfen. Dieser verblüffende Realismus mit seinem Drang nach Perfektion begeistert und lässt einen wirklich staunen. Dear Esther ist zwar kurz, doch zugleich sehr intensiv und macht sich für all jene bezahlt, die die Kunst und die Poesie zu schätzen wissen. Es ist bewusst kein Spiel für den Mainstream und wie jegliche Form der Kunst gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man mag es oder man findet es stinkend langweilig und kann damit nichts anfangen. Fans von Dear Esther sollten sich auch mal To The Moon anschauen.

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