» » Dork Dave and The Dirty Trick (C16/2015)

Dork Dave and The Dirty Trick (C16/2015)

in !Neues, Blog | 0

dork_dave_blogDamals, in den 1980’ern, mussten sich die Homecomputerfans meistens für eines der Geräte auf dem Markt entscheiden. Oder die Entscheidung wurde von den Eltern übernommen. Bei mir war es so, dass ich einen Commodore Plus/4 haben wollte, weil meine Freunde bereits entweder diesen oder einen C16 hatten. Deswegen kannte ich schon viele Spiele wie zum Beispiel Moon Buggy, Squirm oder Berks und wollte sie unbedingt zu Hause zocken können.

Ich war mit dem Plus/4 sehr zufrieden, hatte viele Spiele und lernte das Programmieren. Trotzdem schielte ich neidisch in das C64-Lager, denn dort zockten die Kumpel The Great Giana Sisters. So etwas gab es nicht für die 264-Reihe und es schien unmöglich zu sein, ein Spiel wie dieses für den C16 / Plus/4 zu realisieren. Einzig Tom Thumb schlug in diese Kerbe, konnte aber nicht die Spielbarkeit des Überhits von Time Warp erreichen.

Ein paar Monate später bekam ich einen C64 und das Problem war gelöst. Allerdings habe ich bis heute nicht aufgehört die 264’er zu lieben und beobachte die Szene sehr genau. Und was erblickte vor ein paar Tagen das Licht der Welt? Ein waschechter Giana Sisters Klon!

Der aus Finnland stammende Coder Mika Keränen (aka. Misfit) hat es tatsächlich geschafft ein Spiel zu entwickeln, welches auf den ersten Blick aussieht wie Giana Sisters. Dork Dave and The Dirty Trick ist ein horizontal scrollendes Jump ’n Run und enthält einige Elemtente, die auch im großen Vorbild vorkommen. Der C16 verfügt nicht über Hardware Sprites oder Scrolling und deswegen müssen Programmierer, die so etwas im Spiel haben wollen, ihre eigenen Software Routinen entwickeln bzw. auf die bereits fertigen Routinen anderer Entwickler zurückgreifen. Solche Routinen kosten Rechenzeit. Und die muss schließlich auch noch für alle anderen notwendigen Bestandteile eines Spiels reichen. Dazu gehört eine vernünftige Kollisionsabfrage, die Abfrage und Auswertung der Joystickports, Bewegungsmuster sämtlicher Sprites, das Abspielen von SFX und Musik und vieles mehr. Nur wenige Programmierer waren bzw. sind in der Lage das alles unter einen Hut zu bekommen und uns ein flüssig spielbares Stück Software mit sanften Animationen zu bescheren.

Mika besitzt offensichtlich diese Fähigkeit. Dork Dave ist definitiv eine programmiertechnische Glanzleistung. Das Scrolling ist sauber, die Animationen sanft und flüssig und die Spielbarkeit beinahe makellos. Besonders gut gefällt mir das gefakte parallaxe Scrolling. Im Vordergrund scrollen die Blöcke, Wolken und Items, während im Hintergrund ein langsameres Scrolling durch das Shiften einiger Bits eines Characters simuliert wird. So habe ich es damals auch
ab und zu gemacht und deswegen kannte ich diesen Trick bereits.

Das Spiel spielt sich etwas träger als Giana Sisters, weil sich das Spielersprite langsamer bewegt und das Scrolling ebenfalls langsamer ist. Möglicherweise liegt das an der geringen Systemleistung. Dieser Nachteil wird aber wieder wett gemacht durch ein sehr geschicktes und ausgefeiltes Leveldesign. Im Gegensatz zu Giana Sisters oder auch dessen Nachfolger Hard ’n‘ Heavy braucht man für Dork Dave mehr Geschick und auch etwas Gehirnschmalz, um die Level zu schaffen. Hier ein Beispiel:

Linkes Bild: Zuerst muss man es schaffen, das Sprite von links nach rechts unten in den Gang zu bekommen, ohne den Gegner in der Mitte zu berühren. Man darf nicht links oder rechts von der mittigen Plattform herunterfallen, auf der sich ein Gegner ständig hin und her bewegt. Der Sprung in den Gang muss geschafft werden, ohne die Wände zu berühren, weil man sonst abprallt, nach unten fällt und ein Leben verliert. Zudem hat das Spielersprite eine gewisse Trägheit.

Sofort danach darf man nicht stehen bleiben, weil sich ein Gegner auf einen zu bewegt (mittiges Bild). Den Sprung schafft man nur dort, wo die Decke des Ganges höher ist. Wieder darf man nicht die Wände berühren, weil man durch das Abprallen auf den Gegner fällt.

Rechtes Bild: Es folgen zwei Plattformen, auf denen sich jeweils ein Gegner hin und her bewegt.

Diese gesamte Sequenz muss sehr genau getimt und flüssig in einem Zug gemeistert werden. Und solche Situationen werden mit dem Fortschritt im Spiel immer häufiger.

An einigen anderen Stellen muss man sich genau überlegen, welche Blöcke man durch das von unten Anspringen entfernt und welche nicht, damit man sich den Weg zum Ende des Levels nicht kaputt macht.

Dork Dave and The Dirty Trick hebt sich dadurch von seinen Vorbildern ab und bekommt eine Eigenständigkeit, die gut tut. Es ist ein tolles Spiel, welches technisch überzeugt und ein durchdachtes, schlaues Leveldesign hat. Einzig die Musik bekommt einen Punktabzug. Ja, der TED bietet nur einen eingeschränkten Spielraum. Trotzdem habe ich schon bessere Sounds und Musiken zu hören bekommen. Einen weiteren Punktabzug gibt es für die Entscheidung, nach jedem Ableben bzw. vor jedem neuen Versuch einen mehrere Sekunden dauernden Jingle einzuspielen, der sich nicht unterbrechen lässt. Erst nach dem Jingle geht das Spiel weiter und nach dem 20. Mal nervt das etwas. Aber alles andere ist mehr als vorbildlich.

Das Spiel kann kostenlos heruntergeladen werden und läuft bereits auf einem C16 ohne Speichererweiterung. Und selbstverständlich mit einem Emulator. Ich hoffe, dass es einen kommerziellen Release auf Disk bzw. Tape bekommt. Dieses Juwel hätte es verdient!

Homepage mit Download: http://www.riimukivi.net/games/dorkdave.html

Noch ein sehr gutes Spiel vom selben Coder: Mr. Angry Dude

Yape (ein sehr guter C16 / Plus/4 Emulator): http://yape.homeserver.hu/

Video zum Spiel:

Bitte hinterlasse eine Antwort