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27.11.2018, 14:19

Warum hat sich damals eigentlich der C64, statt des Atari XLs durchgesetzt ?

Generell bin ich ja eher ein Commodore, statt Atari Kind. Mein erster Rechner war seinerzeit der Commodore 64, während ich erst nach und nach realisierte, dass es überhaupt andere Computer gab. Rückwirkend gesehen frage ich mich ein wenig warum damals der C64 gegenüber Ataris Heimcomputer gewann. Klar, die Kiste hatte mehr Möglichkeiten bezüglich der Sprites. Aber grade die erste Generation von C64-Titeln hat dies eh kaum ausgereizt. Und, bei aller Liebe zum C64, die Farbpalette sah beim Atari einfach mal erheblich kräftiger aus als die leicht ausgewaschenen Farben des C64ers. Zumal der Atari 800 drei Jahre vor dem C64 erschien und den deutlich stärkeren Prozessor hatte.

Mir fehlt ein wenig das technische Wissen, weshalb ich Computer und Konsolen meistens nur aus der Sicht eines Spielers sehe. Aber hätte man mir in den frühen 80er Jahren einen Atari 800 und einen C64 gezeigt, hätte ich die Grafik bei dem Atari wohl für überlegen gehalten.
"...einer fällt auf den Boden und grunzt plötzlich nur noch wie ein Schwein..."

2

27.11.2018, 16:42

Da kamen meiner Ansicht nach mehrere Dinge zueinander. Man muss auch etwas nach Regionen schauen. In den USA war die Dominanz nicht so eindeutig, bzw der C64 auch mehr als Angriff auf den Apple II angesehen. Dazu hatten 16-Bit-Systeme wesentlich früher eine Marktdurchdringung als in Europa.

Jetzt speziell in Deutschland gehe ich bislang davon aus, dass der Hauptgrund das Timing war. Die Verbreitung von Computern im Heimgebrauch fand schon sehr tröpchenweise statt. 1984, als in meinem Freundeskreis die ersten Rechner auftauchten, konnte man in meiner Jahrgangsstufe die Haushalte mit Computer an einer Hand abzählen. In einem stand sogar ein Atari. IIRC war der 800XL damals allerdings auch teurer als ein C64, hatte technisch bereits einige Jahre auf dem Buckel und ich würde mal behaupten, dass die Vorzüge des 800XL nicht so wirklich wahrgenommen wurden.

Die technischen Vorzüge auf dem Papier sind auch so eine Sache. Die höhere Rechenleistung und die vielen Farben fallen doch schnell hinten rüber, wenn davon meist nur 4 bis 5 auf dem Bildschirm zu sehen sind und bei schönen Farbübergängen klotzig wirkt. Allerdings glaube ich, dass die Sprites des C64 ein Killer-Feature waren. Wenn man programmseitige Trickserei, wie Multiplexing weglässt, was ja erst ab 1985 so richtig die Runde machte, war das ein gewaltiger Sprung gegenüber den 2 Sprites und Missiles auf dem Atari mit den etwas kryptischen Farbeigenschaften. Bzw die Eigenschaften des Brotkastens sind auch etwas leichter verständlich. Die Spiele schauten anfangs noch gleich aus. Dass Rescue on Fractalus auf dem XL aufgrund der schnelleren Grafik eine ganze Ecke cooler war, sah man ja auf der Spieleverpackung nicht.

Wir hatten zu Hause anfangs einen Schneider CPC und dort sehe ich einen ähnlichen Punkt gegenüber dem C64 wie beim Atari: Ein Atari XL (bzw bei uns der CPC) mag das leistungsfähigere und verständlichere Basic haben, nur auf dem C64 gab es bereits frühzeitig für jeden Fliegenschiss Programme. Man brauchte nicht unbedingt Programmieren lernen, wenn man das System ausnutzen wollte. Wenn man zB Grafiken auf dem Bildschirm malen wollte, konnte man das 1984 mit Koala Painter mit 16 Farben on Screen, selbst wenn man die Restriktionen nicht begriffen hat. Auf dem Atari gibt es gleich eine Vielzahl von Modi und in der gleichen Auflösung wie bei C64-Multicolor waren erstmal 4 Farben gesetzt und alles darüber hinaus ist mit Einschränkungen verbunden.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »v3to« (27.11.2018, 16:48)


henrikf

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3

27.11.2018, 18:25

Es kommt durchaus noch eine Menge Technik hinzu, die sich vor allem bei Spielen auswirkt:

Der C64 hat einen deutlich besseren Sound als der Atari-8-Bit-Computer und er bietet leistungsfähigere Sprites. Er stellt zwar nur eine Farbpalette von 16 Farben dar (Atari: 128 ), aber diese kann er auch über das ganze Bild verteilt einsetzen. Auch das geht beim Atari nicht. Dann kommen noch Spielereien beim generellen Hardware-Design hinzu, die Gnade der späteren Geburt sozusagen (Atari: 1978, C64: 1982): Der C64 verzahnt das Timing für den Zugriff auf das RAM vom Video und vom Mikroprozessor, beim Atari wird bei jedem Video-Zugriff der Prozessor gestoppt. 1978 war RAM einfach noch nicht so schnell wie vier Jahre später. Das erlaubt elegantere Manipulation von Sprites, Farben etcpp., was beim Atari technisch so gut wie nicht geht.

Spiele wie Wizball oder Turrican sind auf dem Atari schlichtweg nicht möglich, oder nur mit erheblichen Abstrichen in der Grafik.


[Nachtrag]
Atari hätte spätestens 1982 mit einem verbesserten System nachlegen müssen. Aber damals waren schon ziemliche Machtkämpfe innerhalb Ataris am Wirken. Warner hat nämlich nie so richtig an Atari geglaubt (Manager mit Anzügen und Krawatten auf der einen Seite und eine Spiele-Firma auf der anderen Seite, kenne ich selber zu genüge). Also hat Herr Tramiel Atari gekauft und dann kam auch schon der Atari ST. Und Herr Miner - der Erfinder des Atari-800-Chipsatzes - hat sich bereits längst dem Amiga-Chipsatz gewidmet, weil Atari nämlich auch ihn vergrault hat.

Meine subjektive Meinung ist: Weder Atari noch Commodore wussten damals, warum die jeweiligen Computer überhaupt erfolgreich waren. Die jeweiligen Manager haben sich die Taschen vollgestopft und die Techniker und Entwickler ausgelacht, anstatt mal auf sie zu hören, den Erfolg zu analysieren und den Gewinn zu reinvestieren. Es gab es eine Management-Fehlentscheidung nach der anderen. Erst hat es dadurch Atari erwischt, später dann Commodore.
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4

27.11.2018, 19:28

Das war zu lange vor meiner Zeit. Hatte der Atari 800 Ende der 70er Jahre eine Relevanz und wurde dann vom C64 abgelöst ? Oder hatte der neben den damals noch halbwegs verbreiteten Spielekonsolen ein Nischendasein. Bevor Ich mich Kraut & Rüben startete wusste ich nichtmal dass Atari überhaupt mal 8-Bit Computer baute. Ich hatte den Spectrum grob auf den Schirm, von Atari kannte ich bis dato nur die ST-Compis.
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henrikf

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5

27.11.2018, 21:55

Hm ... ich sage mal so: 1982 ging es bei mir so richtig mit Computern los und der Computer der Wahl war der »Atari 800«. Der war in allen Kaufhäusern vertreten und es gab sogar Läden, die sich auf Atari spezialisiert hatten. Erst zwei Jahr später tauchte dann der C64 in den Kaufhäusern auf der Bildfläche auf und führte zunächst eher ein Nischendasein. Noch ein wenig später erschienen dann »ZX Spectrum« und »Schneider CPC« (und erst dann erschien auch langsam der »Atari 800 XL« auf der Bildfläche). Ich weiß das deswegen noch so genau, weil ich mir damals natürlich keinen Computer leisten konnte und ich nach der Schule stattdessen mit Kumpels in den damals neu eingerichtetem Computer-Abteilungen der Kaufhäuser herumhing (zum Beispiel Karstadt in Hamburg). Wir hatten also ein sehr genauen Überblick, was es damals so an Computern gab.

Von daher hatte der »Atari 800« (und der kleine Bruder »Atari 400«) aufgrund ihrer Grafik- und Soundfähigkeiten um Vergleich zu den anderen Computern zum damaligen Zeitpunkt (Apple II, Commodore PET und CBM 3001 sowie Texas Instruments TI 99/4(A)) eine durchaus marktbeherrschende Stellung. Das wurde vor allem auch dadurch befeuert, das so gut wie alle damaligen »großen« Spiele vom Apple II auch für den Atari umgesetzt wurden (zum Beispiel »Ultima« oder die »Scott Adams Graphics Adventures«, oder so etwas wie »Apple Panic«, »Load Runner« un »Chop Lifter«). Auch Dein geliebtes »Fort Apocalypse« kenne ich von 1982 vom Atari. Da gab es eben noch gar keinen C64.

Die Spiele waren meistens besser als die Apple-II-Vorbilder, weil der Atari-Computer eine deutlich bessere Grafik als der Apple II bietet (und zur Klötzchen-Grafik der damaligen Commodore-Computern sowie dem »Tandy TRS-80« sowieso). Außerdem gab es damals schon Hammer-Spielmodule wie »Pac-Man« und »Star Raiders«, die vergleichsweise eine Traumgrafik im Vergleich zur reinen Spielekonsole »VCS2600« boten. Nicht zu unterschätzen ist auch der Vorteil der BASIC-Programmiersprache, mit der man die Grafik des Atari-Computers im Zugriff hat. Zwar bei weitem nicht alles, was der Atari so kann, aber für einfache Spiele hat es gelangt.

Schon drei Jahre später hat sich das Bild allerdings gravierend zugunsten des C64 gewandelt.
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6

27.11.2018, 22:21

Erst zwei Jahr später tauchte dann der C64 in den Kaufhäusern auf der Bildfläche auf und führte zunächst eher ein Nischendasein. Noch ein wenig später erschienen dann »ZX Spectrum« und »Schneider CPC« (und erst dann erschien auch langsam der »Atari 800 XL« auf der Bildfläche).
Das würde mich auch schwer interessieren, wie die regionale Verfügbarkeit der einzelnen Rechner über die Jahre war. C64 und ZX Spectrum hatte ich tatsächlich auch erst 1984 überhaupt wahrgenommen, obwohl die Systeme beide 1982, bzw der C64 1983 in Deutschland auf den Markt kamen. Der CPC hatte nicht ganz so diesen Vorlauf. Seit 1984 auf dem Markt, 1985 stand kurz nach Launch der CPC664 bei uns zu Hause...

7

27.11.2018, 23:25

Auch Dein geliebtes »Fort Apocalypse« kenne ich von 1982 vom Atari. Da gab es eben noch gar keinen C64.
Ich kannte jahrelang nur die C64-Fassung und war erstaunt dass die Atariversion um EINIGES besser war.
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